1. September 2022, Tag 1 der Reise – von Grimma nach Mügeln, 25 km

1. September 2022 ...

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Tag 1 meiner Reise ist geschafft. Ich habe eine bezaubernde Landschaft durchquert bei leicht bewölktem Himmel. Barbara, meine Begleiterin aus Kanada, hatte eine Verletzung am Fuß und ist trotzdem die gesamte Strecke in leichten Sandalen mitgelaufen. Wir hatten uns lange nicht gesehen, so dass wir Gesprächsstoff für den ganzen Tag hatten. In Mügeln nahm sie dann den Bus für den Heimweg nach Halle. Morgen wird das anders sein, und ich werde wie schon viele Male zuvor ganz auf mich bezogen wandern.

Diese Gegend im nördlichen Sachsen profitiert von ein wenig Industrie und guten Böden. Durch das Vorkommen von Porphyr und Kaolin war die Gegend nie wirklich arm. Kaolin wird nach wie vor abgebaut, wenn auch das große Schmalspurnetz auf dem Lohren den Rohstoff zu Verladestellen oder in die Fabriken transportierten, nur noch gelegentlichen touristischen Fahrten dient.

Die Dörfer hier sind in einem guten Zustand, nicht zu vergleichen mit den Verhältnissen in weiten Teilen von Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg. Natürlich trifft man auch verfallende Gehöfte, aber vermutlich profitiert die Region auch ein wenig von den kurzen Wegen nach Leipzig Dresden und selbst Chemnitz, wo die Industrie wieder am Erstarken ist. Die Böden sind einigermaßen fruchtbar, in der Gegend um Mügeln wird viel Obst angebaut. An überhängenden Zweigen habe ich heute immer mal wieder Äpfel, Birnen und Pflaumen pflücken können. Die gastronomische Versorgung hingegen ist auf den Dörfern nicht mehr existent. Nur in den kleineren Städten konnte sie sich halten. In den Kleinstädten trifft man auf zahlreiche leer stehende Ladengeschäfte. Da das Land relativ dicht besiedelt ist, sind die Straßen in einem sehr guten Zustand und es gibt ein erstaunlich gutes Netz an Regionalbussen.

Natürlich habe ich heute immer wieder auch an Seume gedacht. Als wir hinter Grimma die Mulde überquert und den Galgenberg erklommen hatten, gab es tatsächlich den von Seume erwähnten Blick auf das Landhaus der Familie Göschen, welches man in der Ferne in Hohenstaedt hätte im Grün ausmachen können. Wo genau Seume sonst lang lief, lässt sich kaum mehr ergründen. Man kann nur vermuten, dass er so wie ich auch bemüht war, einen möglichst kurzen Weg zu finden.

Mein Fuß hat sich wacker geschlagen und erst gegen Abend deutlichere Ermüdungserscheinungen gezeigt. Keine einzige Blase. Probleme bereitete mir jedoch die linke Schulter. Sie ist ein wenig höher als die rechte, weil mein linkes Schlüsselbein durch jahrelange es Geigespielen und die Gewohnheit, in der Jugend auf der linken Schulter eine Umhängetasche zu tragen, verkürzt ist. Immer wieder habe ich an den Gurten und Riemen des Rucksacks nachjustiert, um einen guten Tragekomfort zu erzielen. Gut war die Entscheidung, einen Wanderstab mitzunehmen, er sorgt für einen stabilen, lockeren und beschwingten Gang. Weder schwellen die Hände an, doch schlafen die Arme ein.

Das heutige Quartier hatte ich vor einigen Tagen telefonisch gebucht. Eine günstige Pension (der Rosenhof), die ihren Zweck für wenig Geld erfüllt. Morgen will ich es bis Meißen schaffen. Das Quartier dort werde ich spontan suchen, was kein Problem sein dürfte, denn es ist eine typische Touristenstadt.

Die Tour auf Komoot findet man hier.

Blick auf Göschens Landhaus
Teichmühle bei Golzern
Feld bei Golzern, hinten rechts Kraftwerk Lippendorf
Verwachsenes Haus in Liptitz

01.09.2022 Day 1, 29 km
Day 1 of my journey is over. I crossed an enchanting landscape under slightly cloudy skies. Barbara, my companion from Canada, had an injury to her foot but still walked the whole distance in light sandals. We hadn’t seen each other for a long time, so we had plenty to talk about all day. In Mügeln she took the bus home to Halle. Tomorrow will be different, and I will hike all by myself, as I have done many times before.
This area in northern Saxony benefits from a little industry and good soil. Due to the occurrence of porphyry and kaolin, the area was never really poor. Kaolin is still mined, although the large narrow-gauge network on which Lohren transported the raw material to loading points or to the factories is now only used for occasional tourist trips.
The villages here are in good condition, not to be compared with the conditions in large parts of Saxony-Anhalt, Brandenburg and Mecklenburg. Of course, there are also dilapidated farmsteads, but the region probably benefits a little from the short distances to Leipzig, Dresden and even Chemnitz, where industry is growing again. The soil is reasonably fertile, and a lot of fruit is grown in the area around Mügeln. Today I was able to pick apples, pears and plums from overhanging branches. Gastronomy, on the other hand, no longer exists in the villages. Only in the smaller towns has it been able to survive. In the small towns, there are numerous empty shops. Since the country is relatively densely populated, the roads are in very good condition and there is an amazingly good network of regional buses.
Of course, I kept thinking of Seume today. When we crossed the Mulde behind Grimma and climbed the Galgenberg, there was indeed the view of the Göschen family’s country house mentioned by Seume, which one could have made out in the green in the distance in Hohenstaedt. It is almost impossible to find out exactly where else Seume walked. One can only assume that, like me, he was trying to find the shortest possible route.
My foot did well and only showed clear signs of fatigue towards evening. Not a single blister. However, my left shoulder caused me problems. It is a little higher than the right one because my left collarbone has been shortened by years of playing the violin and the habit of carrying a shoulder bag on my left shoulder when I was young. Again and again I adjusted the straps and belts of the backpack to get a good carrying comfort. The decision to take a walking stick with me was a good one; it ensures a stable, loose and buoyant gait. The hands don’t swell up, but the arms don’t fall asleep.
I had booked today’s accommodation by phone a few days ago. An inexpensive guesthouse (the Rosenhof) that serves its purpose for little money. Tomorrow I want to make it to Meißen. I will look for accommodation there spontaneously, which should not be a problem because it is a typical tourist town.