Tag 22 der Reise, Von Dyakovicky nach Hollabrunn, 31 km

22. September 2022 ...

22.09.2022 english below the pictures

Wenn das Wetter perfekt ist, geht es sich doch deutlich leichter. Das konnte ich auch heute feststellen. Aber die wichtigste Feststellung des Tages ist eine andere. 1 : 0 für Österreich, was Kontaktfreudigkeit und Freundlichkeit anbelangt. Die null Punkte gehen an Tschechien und an Deutschland, da vor allem an die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Kaum habe ich die nunmehr unsichtbare Grenze überschritten – einzig ein paar alte Panzersperren aus Beton am Wegesrand erinnerten noch an den Eisernen Vorhang – und habe mich auf eine Bank gesetzt, werde ich auch schon freundlich angesprochen. Neben mir dröhnte die Weinerntemaschine durch die Reben, geführt vom Schwiegervater, der Schwiegersohn steht am Feldrand. Das erfahre ich und auch einiges mehr, z.B. über die Maschine, und Regen zum falschen Zeitpunkt, und wie lange es dauert, einen Weinbaubetrieb von der älteren Generation zu übernehmen, als sich Schwiegersohn zu mir stellt und einen netten Plausch beginnt. Dann muss ich los und werde eingeladen, von den noch nicht abgeernteten Stöcken noch ordentlich Trauben zu nehmen.

Wenig später überholen mich beide auf der Straße mit Maschine und Traktor, und Schwiegersohn hält an mit dem Traktor und fragt, ob er mich ein Stück mitnehmen soll. Am Nachmittag hätte ich ohne Zögern eingewilligt, jetzt schien die Sonne zu schön und ich war fit und voller Elan.

So laufe ich durch die Weinplantagen (Berge sind das ja nicht wirklich), treffe einen Goldfasan, Rehe, Rebhühner und Vögel aller Art, Hasen und bei der nächsten Rast eine Rentnergruppe auf E-bikes. Und während die anderen weiterfahren, bleibt eine der Damen stehen und fragt nach dem Woher und Wohin. Wünscht mir Gottes Segen und fährt den anderen hinterher.

Das erste Dorf, Alberndorf, empfängt mich mit einer ganzen Kette von Weinkellern, in denen gearbeitet wird und die zum Teil, mitten am Donnerstagvormittag geöffnet sind für Verkostungen. Ich ziehe jedoch einen Platz unter Kastanien im nahegelegenen Dorflokal vor. Ein ordentliches warmes Mittagessen und dazu zwei Flaschen alkoholfreies Bier. Das Lokal bzw. der Garten sind voll mit Leuten in unterschiedlicher Kluft, einige sichtlich von der Arbeit kommend.

Fazit: Leute, die mich ansprechen und nicht nur meinen Gruß erwidern, gibt es in Österreich offensichtlich häufiger als auf manchen Dörfern in Tschechien und Deutschland. Von in der Woche zu Mittag geöffneten Kneipen wollen wir da gar nicht reden. Auch am Nachmittag habe ich noch einen netten Schwatz mit zwei älteren Damen, die am Zaun standen, und die ich um Wasser bat.

Die Landschaft ist hier flach mit tollen Fernblicken von den Hügeln, die es ab und zu gibt. Von Hollabrunn habe ich wenig gesehen, denn nach den finalen 5 km entlang eines Bahndammes wollte ich ins Hotel. Das entpuppte sich als neugebauter Koloss, der zugleich diverse Behörden, Ämter und Vereinigungen beherbergt. Leider hat das Hotel kein Restaurant, so dass ich nach dem Duschen noch mal losziehen musste zu einem nahegelegenen Heurigen.

Zum Befinden: heute war mir erstmals etwas langweilig, so dass ich morgen die Kopfhörer in Reichweite packen werde. Und vorgestern musste ich am Rande eines Dorfes doch tatsächlich noch einen Hund verprügeln. Ein dicker, großer schwarzer Dobermann oder was weiß ich was für ein flachschneuziges Getier, kam bellend auf mich zugerast, als ich an einem Grundstück vorbeiging, welches keinen Zaun hatte. Ich bellte zunächst auch mal einige deutsche Hundekommandos, erinnerte mich aber, dass selbst in den USA, wo bevorzugt tschechische Hunde von der Polizei eingestellt werden, auch die tschechischen Kommandos benutzt werden. Als das Monster kaum noch zwei Meter vor mir war, holte ich also mit meinem Wanderstock kräftig aus und gab ihm seitlich einen Hieb in die Rippen, was augenblicklich den gewünschten Erfolg mit sich brachte. Derweil das Herrchen böse vom Balkon herab den Hund zu kommandieren suchte, konnte wahrscheinlich auch kein richtiges Tschechisch konnte, der Hund oder der Mann.

Der wilde Wein hat das kommando übernommen übnder die alten Bäume an ehemals eisernen Vorhang
Wie kann man von einem Land besser empfangen werden? Blick auf Österreich.
Weilkeller in Alberndorf
Unter den Kastanien
Einsames Gehöft in den Äckern
Kürbisfeld
Auf dem Weg nach Wullersdorf
Am Bahndamm hinter Hetzmannsdorf

September 22, 2022,

If the weather is perfect, it goes nevertheless clearly more easily. I was able to notice that today as well. But the most important observation of the day is another. 1 : 0 for Austria, in terms of sociability and friendliness. The zero points go to the Czech Republic and Germany, especially to the states of Saxony-Anhalt and Brandenburg.

I have hardly crossed the now invisible border – only a few old concrete tank barriers along the way still reminded of the Iron Curtain – and have sat down on a bench, I am also already friendly addressed. Next to me the wine harvester roars through the vines, led by the father-in-law, the son-in-law stands at the edge of the field. I learn this and also some more, for example, about the machine, and rain at the wrong time, and how long it takes to take over a winegrowing business from the older generation, when son-in-law joins me and starts a nice chat. Then I have to go and I am invited to take grapes from the vines not yet harvested still neat.

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A little later, both of them overtake me on the road with machine and tractor, and son-in-law stops with the tractor and asks if he should take me a piece. In the afternoon I would have agreed without hesitation, now the sun was shining too beautifully and I was fit and full of vigor.

So I walk through the vineyards (mountains are not really), meet a golden pheasant, deer, partridges and birds of all kinds, hares and at the next rest a group of pensioners on E-bikes. And while the others continue, one of the ladies stops and asks where from and where to. Wishes me God’s blessing and drives after the others.

The first village, Alberndorf, welcomes me with a whole chain of wine cellars being worked and some of them, in the middle of Thursday morning are open for tastings. However, I prefer a place under chestnut trees in the nearby village pub. A decent hot lunch and two bottles of non-alcoholic beer. The pub/garden are full of people in various attire, some visibly coming from work.

To sum up, people who address me and not just return my greeting are obviously more common in Austria than in some villages in the Czech Republic and Germany. We don’t even want to talk about pubs open for lunch during the week. Also in the afternoon I still have a nice chat with two older ladies who were standing at the fence and whom I asked for water.

The landscape here is flat with great distant views from the hills that are there from time to time. I saw little of Hollabrunn, because after the final 5 km along a railroad embankment I wanted to go to the hotel. This turned out to be a newly built colossus, which also houses various authorities, offices and associations. Unfortunately, the hotel has no restaurant, so after showering I had to go out again to a nearby Heurigen.

On the condition: today I was a bit bored for the first time, so tomorrow I will pack the headphones within reach. And the day before yesterday I actually had to beat up a dog on the outskirts of a village. A thick, big black Doberman or what do I know what kind of flat-snouted beast, came barking towards me as I passed a property which had no fence. At first I barked some German dog commands, but remembered that even in the USA, where Czech dogs are preferably hired by the police, the Czech commands are also used. So when the monster was barely two meters in front of me, I took a strong swing with my walking stick and gave him a blow in the ribs from the side, which instantly brought the desired success. Meanwhile, the master angrily tried to command the dog from the balcony, probably couldn’t speak proper Czech either, the dog or the man.