Tag 57 der Reise, mit dem Boot auf dem Brenta-Kanal von Venedig nach Padua, 25 km

27. Oktober 2022 ...

27.10.2022

Warum ich das gemacht habe, lässt sich am besten mit einem Seume-Zitat erklären:

„Neun Tage war ich in Venedig herumgelaufen. Die Nacht war ich angekommen, die Nacht fuhr ich mit der Korriere wieder ab. Die Gesellschaft war ziemlich zahlreich, und wir waren wie im trojanischen Pferde zusammengeschichtet. Das Wetter war nicht sehr günstig; wir fuhren also von Venedig nach Padua von acht Uhr des Abends bis den andern Mittag. Der Weg an der Brenta herauf soll sehr angenehm sein; aber da s Wasser hatte bekanntlich die Straßen durch ganz Oberitalien so fürchterlich zugerichtet, daß es ein trauriger Anblick war; und ich grämte mich nicht sehr, daß ich auf meiner Fahrt und wegen stürmischen Wetters wenig davon sehen konnte. So wie wir in Padua ankamen, ward das Wetter leidlich. Die Unterredung im Schiffe war bunt und kraus wie die Gesellschaft; aber es wurde durchaus nichts gesprochen, was Bezug auf Politik gehabt hätte.“

Mein Boot fuhr bei schönem Sonnenschein, und eine nette Reiseleiterin musste unseren Blick nicht auf schlechte Straßen, sondern auf die am Kanal liegenden Paläste richten. Drei von ihnen durften wir unter fachkundiger Führung besichtigen. Die Villa Foscari, die Villa Vidmann und die Villa Pisani, letztere eher ein imposantes Schloss mit Park und mehreren hundert Zimmern sowie einem Ballsaal, dessen Decke (200 m²) von Tiepolo in nur 76 Tagen komplett ausgemalt wurde.

Die Fahrt auf dem Fluss geht zunächst über die offene Lagune, dann durch flache Weiden und Felder auf der einen Seite, die Ausläufer des Hafens von Mestre auf der anderen. Dann fährt man fast immerzu durch kleine Dörfer und Städtchen, sieht viel, hat aber auch den ganzen Tag den Motorenlärm des Schiffsdiesels und die ein oder andere Abgasschwade zu ertragen. Der Rederei sei die baldige Elektrifizierung gegönnt! Es sind mehrere Schleusen und etliche Drehbrücken zu passieren. Letztere werden manuell von öffentlichen Bediensteten betätigt, die man rechtzeitig anrufen muss, damit sie angefahren kommen und auch die Brücken für die Autos sperren.

Mit den Villen ist es schön und traurig zugleich. Von ca. 80 mittelalterlichen Villen, viele aus dem 16. Jahrhundert, einige auch jüngeren Datums, sind etwa zehn dem Verfall preisgegeben, auch die anderen oft in beklagenswertem Zustand oder denkmalpflegerisch schwer misshandelt. Viele haben häufig – auch in jüngerer Zeit – den Besitzer gewechselt. Offenbar hat der italienische Staat kein Geld oder keine rechtliche Handhabe, einen sorgfältigeren Umgang mit diesen Bauten durchzusetzen, wenn sie in privatem Besitz sind. Viele der Villen liegen übrigens deshalb an den Kanälen, weil ihre Besitzer so einfach den Hausrat und die Bediensteten per Boot von Venedig herbeischaffen konnten. Oft hatten die Villen eigene Garagen für Boote und entsprechende Stichkanäle. Ob es aber im Sommer an diesen Kanälen wirklich frischer war als in Venedig, bezweifle ich. Die Wetterapp meine Telefons weist ständig schlechte Luftqualität aus. Es ist so diesig, dass ich nicht um einen UV-Schutz ermahnt werde.

Padua habe wir erst gegen sieben erreicht, alles war schon dunkel. Aber die Stadt hat ein quirliges Studentenleben, was um diese Zeit offenbar Fahrt aufnimmt. Ich wollte einfach nur die zwei Kilometer zum Hotel laufen und schaute ab und zu mal neidisch zur Seite.

Eine Route auf Komoot gibt es heute nicht. Wo der Brenta-Kanla verläuft, könnt Ihr googlen.

Mein Quartier am Morgen
Turner was here
Turner made the light
Bereit zum Ramschen
meine Reisegesellschaft
Mestre in der Ferne
Auf dem Kanal
Villa Foscani
Die Österreicher nutzten die Villa im 1. Weltkreig als Lazarett. Dazu wurden die Fresken im Inneren weiß übertüncht und die Ballustraden an den Treppen abgeschlagen, damit mehr Platz war für die Tragen mit den Verwundeten.
Die Villa Foscani vom Kanal aus
Manchmal ist der Kanal sehr romantisch, dann streifen Zweige über das Deck.
Arbeiter an einer der Drehbrücken
In der Villa Vidman. Der Raub der Helena.
Villa Vidmann aus der Ferne
Im Ballsaal der Villa Pisani
Blick auf den Park der Villa Pisani
Einfahrt nach Padua

Day 57 of the trip, by boat on the Brenta Canal from Venice to Padua

27.10.2022

Why I did this is best explained with a Seume quote:

„Nine days I had been walking around Venice. The night I had arrived, the night I left again with the corriere. The company was quite numerous, and we were clustered together as in the Trojan horse. The weather was not very favorable, so we drove from Venice to Padua from eight o’clock in the evening until noon the next day. The road up the Brenta is said to be very pleasant; but the water had, as is well known, made such a terrible mess of the roads through all of northern Italy that it was a sad sight; and I was not very sorry that I could see little of it on my journey and because of stormy weather. As we arrived in Padua, the weather became tolerable. The conversation in the ship was as colorful and fractious as the company; but nothing was said that had anything to do with politics.

My boat sailed in beautiful sunshine, and a nice tour guide had to direct our gaze not to bad roads, but to the palaces lying along the canal. We were allowed to visit three of them under expert guidance. The Villa Foscari, the Villa Vidmann and the Villa Pisani, the latter rather an imposing palace with park and several hundred rooms as well as a ballroom whose ceiling (200 m²) was completely painted by Tiepolo in only 76 days.

The trip on the river goes first over the open lagoon, then through flat pastures and fields on one side, the foothills of the port of Mestre on the other. Then you sail almost constantly through small villages and towns, see a lot, but also have to endure all day the engine noise of the ship’s diesel and the one or other exhaust fumes. The shipping company should be pleased with the soon electrification! There are several locks and several swing bridges to pass. The latter are manually operated by public servants, which you have to call in time so that they arrive and also close the bridges for the cars.

With the villas it is beautiful and sad at the same time. Of about 80 medieval villas, many from the 16th century, some also of more recent date, about ten are abandoned to decay, also the others often in deplorable condition or severely mistreated in terms of monument preservation. Many have changed hands frequently – even more recently. Apparently, the Italian state has no money or legal means to enforce more careful treatment of these buildings when they are privately owned. Incidentally, many of the villas are located along the canals because their owners could so easily bring in household goods and servants by boat from Venice. Often the villas had their own garages for boats and corresponding canals. But I doubt whether it was really fresher in summer along these canals than in Venice. The weather app on my phone constantly shows poor air quality. It is so hazy that I am not admonished for UV protection.

We reached Padua only around seven, everything was already dark. But the city has a lively student life, which seems to pick up speed at this time. I just wanted to walk the two kilometers to the hotel and looked from time to time enviously to the side.