Tag 82 der Reise, von Marino nach Velletri, 22 km

21. November 2022 ...

21.11.2022 english below

Heut habe ich gleich drei Orte passiert, an denen Seume nachweislich gewesen ist. Er schreibt:

„Von Albano ging ich den andern Morgen über eben dieses Aricia, dessen Horaz in seiner Reiseepistel von Rom nach Brindisi gedenkt, nach Gensano und Veletri und immer in die Pontinen hinein. Die Leute von Gensano sind mir als die fleißigsten und sittigsten im ganzen Kirchenstaate vorgekommen, und sie haben wirklich ihr Fleckchen Land so gut bearbeitet, daß sie den Wohltaten der Natur Ehre machen. Die Lage ist sehr schön; Berge und Täler liegen in dem lieblichsten Gemische rundumher, und der kleine See von Nemi, unter dem Namen der Dianenspiegel, gibt der Gegend noch das Interesse der mythologischen Geschichte.“

Mein Weg begann ein Stück vor Albano, ich hatte zunächst einen kleinen Anstieg zu bewältigen, der aber auf Nebenstraßen verlief und einen schönen Blick ins Land bot. Ich konnte in der Ferne das Meer sehen und auch das uferlose Häusermeer von Rom.

Dann ging es an einigen imposanten Villen vorbei, bis ich plötzlich den Lago Albano links von mir sah. So wie auch der später noch auftauchende Lago Nemi hat er mehr oder weniger vulkanische Ursprünge, ist jedoch im Gegensatz zum Lago Nemi kein Vulkankrater.

Albano hat ein imposantes Stadttor, welches mitten in der Stadt liegt, und als Ruine Teil der Einfassung eines großen römischen Militärlagers war, welches zugleich der Kontrolle der unmittelbar vorbeiführenden Via Appia diente. Vor Albano gab es ausnahmsweise mal ein schönes Stück Weg: eine alte Eisenbahnlinie ist hier als Fuß- und Radweg überbaut.

Vor und nach Ariccia überquert man imposante Bogenbrücken, die aber erst nach Seumes Tod gebaut wurden. Seume nahm wohl die Route der alten Via Appia, die im Tal entlangführte, dann aber vor Genzano di Roma wieder an Höhe gewann. Von den erwähnten Brücken, aber auch vielen anderen Positionen der Strecke hat man tolle Ausblicke auf das in der Ferne liegende Meer und das gesamte flachen Land, in das sich immer wieder Ausläufer des Albaner Gebirges erheben.

Hinter Nemi hat mich Komoot über Straße und diverse Waldwege noch mal auf 650 m Höhe geführt. Frustrierend war jedoch eine ganze Reihe umgestürzter Bäume auf dem Weg. Die versuchte ich erst kletternd zu überwinden. Umgehen ging nicht, weil ich das Ganze an einem steilen Hang vorfand. Nachdem ich drei der Bäume, die wohl recht frisch vom Sturm umgeweht waren, mühsam überklettert hatte (ich musste mich quasi balancierend über die hoch aufragenden Äste hangeln), gab ich auf. Es offenbarten sich immer weitere sturmgefällte Bäume. Ich hatte Angst vor einer Verletzung. Stand man auf einem der schaukelnden Äste, konnte man nicht sicher sein, ob der nächste Tritt vielleicht ein morscher oder halb abgebrochener Ast ist. Das Ganze fand auch nicht flach über dem Boden statt. Die Bäume lagen mit den Kronen auf dem Weg, und teilweise hing ich zwei Meter über dem Boden. Also kletterte ich zurück und musste nun einen heftigen Umweg und leider auch die benachbarte stark befahrene Straße gehen. An der traf ich auf ein paar Waldarbeiter, die ich auf die gestürzten Bäume ansprach. Aber sie wussten schon Bescheid und meinten nur, sie wüssten nicht, wo sie zuerst die Wege freisägen sollen.

Von der Fernstraße konnte ich nach einigen Kilometern zum Glück wieder abbiegen und ging dann durch eine große Vorortsiedlung von Velletri mit schönen Häusern und ansprechenden Gärten.

Vor Velletri hatte ich noch mal die Fernstraße zu nehmen, diesmal allerdings mit Fußweg. Mein Quartier (AirBnB) liegt in der Altstadt: eine kleine Wohnung in einem mittelalterlichen Haus.

Die Tour auf Komoot (2 Teile) https://www.komoot.de/tour/983290520?ref=wtd

https://www.komoot.de/tour/983338585?ref=wtd

Blick auf Rom von Marino
Lago Albano
Das römische Stadttor an der Via Appia in Albano
Der Rest der Eisenbahn in Albano
Wenn das Fellini wüsste
Blick auf Ariccia (links) von der Brücke
Ariccia, der Berg links war noch zu ersteigen
Nepi
Gasse in Nepi
An einem Hohlweg im Wald konnte man gut Sedimente (vermutlich) vulkanischen Usprungs sehen, alles sehr weich und krümelig
Im Wald vor Velletri
Mein Desaster
Blick auf Velletri

Day 82 of the trip, from Marino to Velletri, 22 km

Today I passed three places where Seume can be proved to have been. He writes:

„From Albano I went the other morning via this very Aricia, which Horace commemorates in his travel epistle from Rome to Brindisi, to Gensano and Veletri and always into the Pontines. The people of Gensano have struck me as the most industrious and sedate in the whole Papal States, and they have really worked their patch of land so well that they do honor to the benefits of nature. The position is very beautiful; mountains and valleys lie in the loveliest mixture all around, and the little lake of Nemi, under the name of the Diana’s Mirror, gives to the region still the interest of mythological history.“

My path began a little before Albano, I had to face a small climb at first, but it was on secondary roads and offered a beautiful view of the countryside. I could see the sea in the distance and also the shoreless sea of houses of Rome.

Then it went past some imposing villas until I suddenly saw the Lago Albano on my left. Like Lago Nemi, which appeared later, it has more or less volcanic origins, but unlike Lago Nemi it is not a volcanic crater.

Albano has an imposing city gate, which lies in the middle of the city, and as a ruin was part of the enclosure of a large Roman military camp, which at the same time served to control the Via Appia that passed directly by. Before Albano there was for once a nice piece of path: an old railroad line is built over here as a foot and cycle path.

Before and after Ariccia one crosses imposing arch bridges, which, however, were built only after Seume’s death. Seume probably took the route of the old Via Appia, which ran along the valley, but then gained height again before Genzano the Roma. From the aforementioned bridges, but also from many other positions along the route, one has great views of the sea and the entire flat land, into which foothills of the Albanian mountains spread out again and again.

Behind Nemi Komoot has led me over road and various forest paths once again to 650 m altitude. Frustrating was however a whole row of fallen trees. I tried to overcome these first climbing. Bypassing did not work, because I found the whole thing on a steep slope. After I had climbed three of the trees, which were probably quite freshly blown over by the storm, laboriously (I had to shimmy quasi balancing over the towering branches), I gave up. It revealed itself more and more felled trees. I was simply afraid of an injury. If one stood on one of the swinging branches, one could not be sure whether the next step might be a rotten or half-broken branch. The whole thing didn’t take place flat above the ground, either. The trees were lying with their crowns on the path, and in places I was hanging two meters above the ground. So I climbed back and now had to take a hefty detour and, unfortunately, the neighboring busy road. At the I met a few forest workers, whom I addressed to the fallen trees. But they knew already and meant only, they did not know, where they should saw first the ways free.

Fortunately, I was able to turn off the highway again after a few kilometers and then went through a large suburban settlement of Velletri with beautiful houses and attractive gardens.

Before Velletri I had to take the trunk road again, but this time with a footpath. My accommodation (AirBnB) is in the old town: a small apartment in a medieval house.