Auf Seumes Weg - On Seumes Path

At Seumes Way – Auf Seumes Weg

Vom 1. September 2022 bis zum 18. Dezember 2022 war ich auf einer Wanderung. Von Grimma (südlich von Leipzig) "spazierte" Johann Gottfreid Seume im Jahre 1802 nach Syrakus (Sizilien). Sein Reisebericht war für die damalige Zeit spektakulär, denn er schilderte ungeschminkt die Zustände entlang seiner Route, vor allem die sozialen und politischen. Was würde Seume heute sehen? Dieser Frage ging ich fotografisch nach und bewegte mich dabei weitgehend auf der historisch überlieferten Strecke. Schon die Recherchen im Vorfeld der Reise waren hochinteressant und haben mich in eine faszinierenden Welt des neunzehnten Jahrhunderts eintauchen lassen. From September 1, 2022 to December 18, 2022 I was on a hike. From Grimma (south of Leipzig) Johann Gottfreid Seume hiked in 1802 to Syracuse (Sicily). His travelogue was spectacular for the time, as he gave an unvarnished account of the conditions along his route, especially the social and political ones. What would Seume see today? I pursued this question photographically, moving largely along the historically transmitted route. Even the research prior to the trip was highly interesting and immersed me in a fascinating world of the nineteenth century.

Danke für die Spenden! Thank for your donations

Während meiner Reise habe ich Geld für die Unterstützung der Ukraine gesammelt. Es waren 2.242 €. Ich habe den Betrag aufgerundet und zuletzt 2.500 € gespendet. Allen Untestützerinnen und Untersützern meinen herzlichen Dank. During my trip I collected money for the support of Ukraine. It was 2.242 €. I rounded up the amount and donated 2.500 € at last. To all the supporters my sincere thanks.

Seume – Was erwartet mich? Seume – What can I expect?

Der Tag meiner Abreise rückt näher, die Route ist komplett geplant, eingeteilt in 91 Komoot-Wandertage, an denen ich im Schnitt um die 28 km zurücklegen werde. Einerseits kann ich es kaum erwarten, wieder unterwegs zu sein. Andererseits bin ich gespannt, wie ich alles physisch und psychisch verkrafte. Am Anfang wird der Reiz des Neubeginns stehen. Bis hinter Pirna sind mir Landschaft und sogar Teile der Strecke einigermaßen vertraut. Die Überquerung des Erzgebirges wird vermutlich einige bedrückende Erinnerungen provozieren. Ich habe im Erzgebirge zweieinhalb Jahre meines Lebens als Soldat zugebracht, und das waren die unangenehmsten, sinnlosesten meines Lebens. Den Norden von Tschechien habe ich bisher nur vom Zugfenster aus gesehen oder bin auf dem Weg zwischen Dresden und Prag durchgetrampt. In Usti waren wir einmal einige Tage mit der Klasse des Gymnasiums, da muss ich 15 oder 16 gewesen sein, und ich erinnere mich kaum an Details. Prag habe ich zum letzten Mal 1986 besucht, Hochzeitsreise, danach einige Durchreisen. Die Mitte Italiens, den Süden und Sizilien kenne ich noch gar nicht. Nur einige Städte habe ich dort besucht. Ich habe mich gewundert, warum mir Komoot in diesen Regionen an Straßenkreuzungen beachtliche Umwege vorschlägt. Suche ich diese Orte mit Google-Streetview auf, stelle ich fest, dass es an diesen Straßenabschnitten keine Fußwege gibt. Ich könnte wohl einige Kilometer sparen, wenn ich dort einfach auf der Straße bliebe. Bleibt die Frage, wie gefährlich das ist. Offenbar aber sind in Italien in Teilen des Landes Radfahrer oder Fußgänger nicht wirklich gelitten, denn auch Radwege habe ich an solchen Stellen nicht entdeckt, und das, obwohl Italien doch eigentlich die Nation mit einer großen Radrenn- und Rennradtradition ist. Und möglicherweise ist zu Fuß kaum jemand unterwegs, wenn es heiß, staubig und trocken ist. Bei der Rekonstruktion von Seumes Route auf Sizilien musste ich feststellen, dass dieser einen erheblichen Umweg ging. Einen Umweg jedenfalls, wenn man von Agrigent den kürzesten Weg nach Syrakus sucht. Statt an der südlichen Küste entlangzulaufen, querte er die Insel in einem riesigen Bogen im Landesinneren. Tatsächlich räumte er ein, sich mehrfach verirrt zu haben. Es wird aber auch einen anderen Grund für diesen Umweg gegeben haben: Wasser. Bei meinen Recherchen musste ich u.a. lernen, dass Wege und Straßenführungen entlang der Flüsse oder entlang von Berghängen mit austretenden Quellen bevorzugt wurden, weil man fortwährend Wasser für das Vieh, also für Pferde, Ochsen und Esel brauchte, mit denen man unterwegs war. Das (Süß-)Wasser war die Tankstelle, die Ladesäule des neunzehnten Jahrhunderts und gewiss auch der Jahrhunderte zuvor. Möglicherweise waren Küstenstraßen auch uninteressant, weil dort Schiffe und Boote effektiver waren, weil das Süßwasser nur ab und zu an einmündenden Flüssen zu finden war, die natürlich nie parallel zur Küste verliefen. So ist denn auch häufig bei Seume zu lesen, wie er die unterschiedliche Qualität der Gewässer beschreibt, die ihm unterwegs begegnen. Was einem heute schrullig erscheint, war damals existenziell. Er läuft denn tatsächlich über weite Strecken entlang der Täler der großen Flüsse (Elbe, Moldau, Donau, Mur, Po usw.). Und auf Sizilien nahm er von Agrigent kommend vermutlich auch deshalb wieder den Weg nach Nordosten, weil er so an einem Fluss entlanglief. Seume führte eine Gummiflasche für Wasser mit sich, wie groß diese war, weiß ich nicht. Oft steckte er große Mengen Orangen ein. Sizilien scheint über große Teile eine sonnendurchflutete Ödnis zu sein. Ich werde stark sein müssen. The day of my departure is approaching, the route is completely planned, divided into 91 Komoot hiking days, on which I will cover an average of around 28 km. On the one hand, I can hardly wait to be on the road again. On the other hand, I'm curious to see how I'll cope with everything physically and mentally. At the beginning there will be the excitement of a new start. Up to behind Pirna, the landscape and even parts of the route are somewhat familiar to me. Crossing the Ore Mountains will probably provoke some depressing memories. I spent two and a half years of my life as a soldier in the Ore Mountains, and those were the most unpleasant, pointless years of my life. I have seen the north of the Czech Republic only from the train window or hitchhiked on the way between Dresden and Prague. Once we were in Usti for a few days with the high school class, I must have been 15 or 16, and I hardly remember any details. I visited Prague for the last time in 1986, honeymoon, then a few trips through. I don't know the center of Italy, the south and Sicily. Only a few cities I have visited there. I was wondering why Komoot suggests me considerable detours at road intersections in these regions. If I search for these places with Google Streetview, I find that there are no footpaths at these road sections. I could probably save a few miles if I just stayed on the road there. The question remains, how dangerous is that? Apparently, however, cyclists or pedestrians are not really suffered in parts of Italy, because I didn't discover any bike paths at such places either, and that although Italy is actually the nation with a great bike racing and racing bike tradition. And possibly hardly anyone is on foot when it is hot, dusty and dry. When reconstructing Seume's route in Sicily, I had to realize that he took a considerable detour. A detour, at least, if you are looking for the shortest way from Agrigento to Syracuse. Instead of walking along the southern coast, he crossed the island in a huge arc inland. In fact, he admitted to having lost his way several times. But there will have been another reason for this detour: Water. During my research I had to learn, among other things, that paths and road layouts along rivers or along mountain slopes with emerging springs were preferred because water was continually needed for the cattle, that is, for horses, oxen and donkeys, with which one was traveling. The (fresh) water was the gas station, the charging station of the nineteenth century and certainly of the centuries before. It is also possible that coastal roads were uninteresting because ships and boats were more effective there, because fresh water was only to be found now and then at rivers that flowed in, which of course never ran parallel to the coast. Thus, one can often read in Seume how he describes the different quality of the waters he encounters on the way. What seems quirky today was existential at the time. He actually walks for long stretches along the valleys of the great rivers (Elbe, Vltava, Danube, Mura, Po, etc.). And in Sicily, coming from Agrigento, he probably took the way to the northeast again, because he ran along a river that way. Seume carried a rubber bottle for water, how big it was I don't know. He often pocketed large quantities of oranges. Sicily seems to be a sun-drenched wasteland over large parts. I will have to be strong.