Kyiv

Im Abstand von 48 Jahren, 1975 verbrachte ich vier Wochen in einem Pionierferienlager am Rande der Stadt, werde ich erneut nach Kyiv reisen.

Gemeinsam mit Norman Behrendt werde ich ein Atelier im „Institut für Automatisierungstechnik“ – einem riesigen Atelierhaus – nutzen. Mein Freundeskreis reagiert mit einer Mischung aus Besorgnis, Begeisterung, aber auch Skepsis.

Wir fühlen uns zunächst mal geehrt, diese Künstlerresidenz bekommen zu haben. Für uns ist die Reise ein Zeichen der Solidarität, der Verbundenheit. Wir wollen den ukrainischen Kolleginnen und Kollegen signalisieren, dass sie nicht abgeschnitten sind vom künstlerischen Diskurs in Europa, dass sie trotz des Krieges weiterhin Teil einer europäischen Community sind.

In Kiew wollen wir Gespräche führen, Dinge beobachten, Erfahrungen sammeln, Kontakte knüpfen. Norman Behrend wird sich dabei auf Fotografien konzentrieren. Ich möchten zeichnen und field recordings (Tonaufnahmen) anfertigen. Wir sehen uns dabei weniger im Atelier, sondern vor allem auf den Straßen, in der Metro, in Gesprächen mit unterschiedlichsten Akteuren an unterschiedlichsten Orten. Unser Ziel ist es auch, Kontakte zwischen Kyiv und Berlin zu vertiefen, neue zu entwickeln für die Gegenwart und für die Zeit nach dem Krieg.

Es geht auch darum, die Situation der Stadt in einer nichtjournalistischen Form zu erzählen. Es wird also in Berlin eine Präsentation von Arbeitsergebnissen geben.

Ich werde zweimal Blut spenden gehen, sehen, dass ich wenigstens an den Wochenenden an gemeinnützigen Projekten praktisch mitarbeiten kann. Ich werde Freunde in Kyiv wiedersehen, die glücklicherweise zumindest körperlich alle noch unversehrt sind.

Mit uns werden weitere sieben deutsche Künstlerinnen und Künstler zeitversetzt in Kyiv weilen. Näheres zu dem Projekt kann man hier finden.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen am 4. November in Berlin.

After 48 years, in 1975 I spent four weeks in a pioneer holiday camp on the outskirts of the city, I will travel to Kyiv again.

Together with Norman Behrendt I will use a studio in the „Institute for Automation Technology“ – a huge studio house. My circle of friends reigns with a mixture of apprehension, enthusiasm, but also sceptical.

First of all, we feel honoured to have been given this artist residency. For us, the trip is a sign of solidarity. We want to signal to our Ukrainian colleagues that they are not cut off from the artistic discourse in Europe, that they are still part of a European community despite the war.

In Kiev we want to have conversations, observe things, gather experiences, make contacts. Norman Behrend will focus on photographs. I want to draw and make field recordings (souns). We see ourselves less in the studio, but mainly on the streets, in the metro, in conversations with a wide variety of actors in a wide variety of places. Our goal is also to deepen contacts between Kyiv and Berlin, to develop new ones for the present and for the time after the war.

It is also about telling the situation of the city in a non-journalistic form. So there will be a presentation of work results in Berlin.

I will go to donate blood twice, see that at least on the weekends I can practically work on charitable projects. I will see friends in Kyiv again, who fortunately are all still physically unharmed.

Another seven German artists will be in Kyiv with us at different times. More details about the project can be found here.

I look forward to seeing you again on November 4 in Berlin.