Tag 80 der Reise, von Rom auf der Via Appia bis Marino, 23 km

19. November 2022 ...

 19.11.2022

Eigentlich war für heute wechselhaftes mildes Wetter angesagt, und so hatte ich das Quartier für die nächste Etappe in Marino schon gebucht. Ein Fehler, denn jetzt sitze ich in einem etwas verqualmt riechenden Zimmer. Als erstes habe ich das Fenster aufgerissen. Aber draußen qualmt es auch: die abendlichen Kaminfeuer verbreiten Feinstaub, den ich mal irgendwann schön fand, der mir aber in Italien etwas auf die Nerven geht, weil die Italiener in jeder Stadt abends anfangen zu kokeln. Ich habe das Fenster nach kurzer Zeit wieder zugemacht, denn es ist kalt geworden und ich heize brutal mit der Klimaanlage, die auch „warm“ kann. Ich habe unterwegs leider keine Gelegenheit gehabt, etwas zu Essen zu kaufen. Für den Gang ins 500 m entfernte Restaurant fehlt mir die Energie. Gibt es halt Trockenbrot mit Erdnüssen. Tee ist schon gemacht, nur sind leider auch die Schokoladenreserven erschöpft. Meine Gastgeberin ist Tanzen gegangen und war schon etwas hippelig, als ich hier gegen 16.30 h ankam. Für morgen wollte sie mich in ihre Wandergruppe einladen: es geht auf der Via Appia nach Rom! Tolle Strecke!

Ja, weiß ich. Und die Strecke ist wirklich toll. Eigentlich eine der schönsten Etappen meiner Reise, und ich habe mich auf ein Wiedersehen gefreut.

Während es anfangs nur nieselte, haben mich unterwegs später ein paar fette Regengüsse genervt. Beim ersten saß ich zum Glück unter dem Dach einer Bar. Später konnte ich mich nur gegen dicke Pinienstämme lehnen, wenn das Wasser „horizontal“ kam. Ja, es war sehr windig heute, fast wie auf den Kämmen des Böhmischen Mittelgebirges. Mein rechter Fuß zickt immer noch, hoffe, er nutzt die Pause morgen an meinem Ruhetag. Morgen wird es auch wieder regnen, erst für übermorgen zeigt die Wettervorhersage wieder eine Sonne.

Aber Schluss mit Jammern. Immerhin gab es heute viel zu sehen. Die ersten 5 km der Via Appia sind allerdings enttäuschend, da ist sie eine schnöde, heftig befahrene Landstraße zwischen hohen Mauern. Dann jedoch kommt man an den Katakomben vorbei, die natürlich von der Kirche für einen Märtyrerkult in Beschlag genommen sind. Schließlich lässt die Dichte pompöser zeitgenössischer Villen hinter Mauern und Toren etwas nach. Die Mauern neben der Straße werden niedriger, und man sieht quasi alle 50 m irgendein Denkmal, Mausoleum, Grabhügel, Reste von Palästen und Tempeln und massenhaft verstreut liegende behauene Steine, Säulenfragmente usw. Das Ganze eingerahmt in eine Allee schöner Pinien und heute sogar schöner Wolken.

Immer wieder kommt die historische Pflasterung aus der Antike zum Vorschein. Nur selten kreuzen andere befahrene Straßen. Nur nebenan dröhnen die Flugzeuge, wenn sie vom dortigen Flughafen starten. Irgendwann ist die Via Appia nur noch ein halb zugewachsener Wanderweg.

Die Via Appia Nuove ist hingegen eine vierspurige Straße, die für Fußgänger unpassierbar ist, so jedenfalls am Ziel meiner heutigen Wanderung, was mich auf den letzten Kilometern noch zu einem erheblichen Umweg zwang.

Die Tour auf Komoot: https://www.komoot.de/tour/982208834?ref=wtd

Am Anfang teilt man sich die Via Appia mit diversen anderen Verkehrsteilnehmern
Dann trifft man auf den historischen Teil, der durchaus auch noch von Anwaohnern befahren wird.
Das alte Pflaster aus riesigen Basalten fasziniert mich, zumal an einigen Stellen noch die Fahrrillen der Fuhrwerke auszumachen sind.
Ab und zu kam Sonne durch
An diesem bizarren Teil ist gut zu erkennen, wie nachfolgende Generationen die Ruinen zur Baustoffgewinnung nutzen, vor allem wenn letzteres ohne Gerüst erreichbar war.
Auch in einiger Entfernung zur Straße wurde großzügig gebaut in der Antike und auch heute.
Ein Grabhügel von vielen
Es ist verblüffend, wenn man den ganzen Tag in menschenleerer Stille unterwegs ist, und dann plötzlich auf Fußfallpublikum stößt.
Hier ist die Via Appia fast nur noch Wanderweg

Day 80 of the trip, from Rome on the Via Appia to Marino, 23 km.

19.11.2022

Actually, changeable mild weather was announced for today, and so I had already booked the accommodation for the next stage in Marino. A mistake, because now I sit in a somewhat smoky smelling room. The first thing I did was to open the window. But outside it smokes too: the evening fireplaces spread fine dust, which I once thought was nice, but which gets on my nerves a bit in Italy, because the Italians in every city start to coke in the evening. I closed the window again after a short time, because it has become cold and I heat brutally with the air conditioner, which can also „warm“. Unfortunately, I did not have the opportunity to buy something to eat on the way. For the walk to the 500 m away restaurant I lack the energy. There is just dry bread with peanuts. Tea is already made, but unfortunately also the chocolate reserves are exhausted. My hostess has gone dancing and was already a bit bouncy when I arrived here around 16:30. For tomorrow she wanted to invite me to her hiking group: it goes on the Via Appia to Rome! Great route!

Yes, I know. And the route is really great. Actually one of the most beautiful stages of my trip, and I was looking forward to seeing her again.

While it was just drizzling at first, I got annoyed by a couple of fat downpours along the way. Fortunately, during the first one, I was sitting under the roof of a bar. Later, I could only lean against thick pine tree trunks when the water came „horizontally“. Yes, it was very windy today, almost like on the ridges of the Bohemian low mountains. My right foot is still ticking, hope it uses the break tomorrow on my rest day. Tomorrow it will also rain again, only for the day after tomorrow the weather forecast shows a sun again.

But no more complaining. At least there was a lot to see today. The first 5 km of the Via Appia are disappointing though, there it is a dull, heavily traveled country road between high walls. Then, however, you pass the catacombs, which are of course hogged by the church for a martyr cult. Finally, the density of pompous contemporary villas behind walls and gates subsides somewhat. The walls next to the road become lower, and one sees virtually every 50 meters some monument, mausoleum, burial mound, remains of palaces and temples, and masses of scattered hewn stones, fragments of columns, etc.. The whole framed in an avenue of beautiful pine trees and today even beautiful clouds.

Again and again the historical paving from the antiquity appears. Only rarely do other busy roads cross. Only next door the airplanes roar when they take off from the airport there. At some point the Via Appia is only a half overgrown footpath.

The Via Appia Nuove, on the other hand, is a four-lane road that is impassable for pedestrians, at least at the destination of my hike today, which forced me to take a considerable detour on the last few kilometers.