Tag 85 der Reise, von Fondi nach Iltri, 13 km

24. November 2022 ...

24.11.2022, english below

Fondi ist auch eine Stadt, die einen erneuten Besuch lohnen würde. Angenehm ist vor allem das verkehrsberuhigte Stadtzentrum. Es gibt eine Festung aus dem Mittelalter, welche zugleich Teil der Stadtmauer war. Die passierte ich beim Verlassen der Stadt.

Manchmal staune ich ja, dass Seume Orte erwähnt, aber so imposante Bauwerke mit keiner Silbe würdigt. Ähnlich ging es mir mit der kleinen Befestigung St. Andreas, die man passiert, wenn man – wie vermutlich Seume – die alte Via Appia läuft. Und auch Iltri verfügt über eine imposante alte Burg, die hoch über dem Tal mit der Straße thront. Aber möglicherweise meite Seume die St. Andreas-Befestigung, als er von einer „Batterie zwischen den Felsen“ schrieb, an der die Franzosen (zunächst) scheiterten.

Der Weg aus Fondi ist ganz angenehm, denn man läuft durch dünn besiedelte Vororte mit vielen Plantagen und Gärten. Dann überquert man die Via Appia Nuova, die hier Fernverkehrsstraße mit erträglichem Verkehr ist, und kommt wieder auf Feldwege, die parallel zur Straße und zu einem kleinen einbetonierten Bach führen.

Seume schrieb, dass er sich insbesondere auf Sizilien die Tasche mit Apfelsinen vollgestopft hat, von denen er reichlich aß. Als ich heute früh an der Kaufhalle vorbeikam, hatte die noch zu. Ein Glück, denn Orangen und Mandarinen habe ich heute reichlich geerntet und gegessen von aufgegebenen Plantagen und verwilderten Bäumen.

Zu meiner Überraschung landete ich nach ungefähr fünf Kilometern auf der alten Via Appia. Die begann hinter einer historischen Brücke, die aus dem Mittelalter stammt, aber Ersatz für einen Bau aus der Römerzeit ist. Dann läuft man mehr als einen Kilometer auf der historischen Straße, die hier ein wenig authentischer wirkt als hinter Rom. Es gibt einige Erklärtafeln. Man trifft auf unterschiedliche Plasterungen, einmal aus der Entstehungszeit mit dem großen Basaltblöcken. Es gibt aber auch eine neuere Pflasterung, etwas feiner gearbeitet, die im 18. Jahrhundert bei einer Erneuerung der Straße aufgebracht wurde. Daneben gibt es eine Raststätte aus der Entstehungszeit, Meilensteine, historischen Stützmauern, eine weitere alte Brück und die erwähnte Befestigung St. Andreas, an deren Stelle ein römischer Tempel stand, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts kurzerhand planiert und überbaut wurde.

Ich bin ja immer ganz fasziniert, wenn ich auf der Via Appia laufe. Sie war mir schon als Kind ein Begriff, als ich vom Spartakus-Aufstand las, und von seiner Niederschlagung. In deren Ergebnis wurden 6.000 gefangene Sklaven entlang der Via Appia zwischen Rom und Capua (dort war damals eine berühmte Cladiatorenschule) gekreuzigt. Das fand übrigens auf keiner der Tafeln, die ich bisher las, Erwähnung, und auch bei Seume nicht.

Mich fasziniert aber auch die gewaltige technische und organisatorische Leistung, die es erforderte, die Straße zu bauen und zu unterhalten. Das muss extrem teuer gewesen sein. Umso mehr ist der strategische Weitblick ihrer Planer zu bewundern. Welche unserer Autobahnen – geplant in den zwanziger Jahren oder in jüngerer Vergangenheit – wird wohl in 2.000 Jahren mit ihrem originalen Straßenbelag als Wanderweg dienen? Via Appia, du lässt mich an die Menschheit glauben, die es mit ähnlicher Anstrengung ja vielleicht auch schafft, den Klimawandel zu bewältigen.

Die alte Via Appia kreuzt die neue, und geht dann noch ein Stück als Feldweg weiter, wobei auch dort ab und zu die Pflasterung aus der Entstehungszeit zum Vorschein kommt. Auf diese Weise durchquert man einen kleinen Pass im Auruncigebirge, welches rechts und links der Strecke kahle Berge mit bis zu 500 m Höhe aufzuweisen hat.

Leider wird man auf den letzten vier Kilometern wieder Opfer einer fußgängerfeindlichen Fernstraße. Es gibt eine von Komoot vorgeschlagene teilweise Umgehung, die aber ca. 2 km Umweg mit sich bringt. Darauf hatte ich heute keine Lust. In Iltri war ich schon kurz nach Mittag und habe mich noch mit Brot, gutem Käse, Nüssen und getrockneten Feigen eingedeckt.

Die Tour auf Komoot: https://www.komoot.de/tour/984549871?ref=wtd

Die Landschaft hinter Fondri
Improvisierter Zaun an einer Plantage
Auf einem Damm durch die Plantagen
Die alte Brücke der Via Appia
Blick von der Brücke Richtung Fondi
Auf der Via Appia mit alter (vorn) und neuzeitlicher Pflasterung
Die Via Appia als Feldweg

Day 85 of the trip, from Fondi to Iltri, 13 km.

Fondi is also a town worth visiting again. What is most pleasant is the town center, which has little traffic. There is a fortress from the Middle Ages, which was also part of the city wall. I passed it on my way out of town.

Sometimes I am amazed that Seume mentions places, but does not dignify such imposing buildings with a syllable. I had a similar experience with the small fortification of St. Andrew, which you pass when you walk along the old Via Appia, as Seume probably did. And Iltri also has an imposing old castle that towers high above the valley with the road.

The way out of Fondi is quite pleasant, because you walk through sparsely populated suburbs with many plantations and gardens. Then you cross the Via Appia Nuova, which here is a long-distance road with tolerable traffic, and come back to dirt roads that run parallel to the road and to a small cemented stream.

Seume wrote that, especially in Sicily, he stuffed his pocket with oranges, of which he ate plenty. When I passed the department store this morning, it was still closed. Lucky me, because I harvested and ate plenty of oranges and tangerines today from abandoned plantations and overgrown trees.

To my surprise, after about five kilometers I ended up on the old Via Appia. That started behind a historic bridge that dates back to the Middle Ages, but is a replacement for a Roman-era structure. Then you walk more than a kilometer on the historic road, which seems a little more authentic here than behind Rome. There are some explanatory panels. One encounters different paving, once from the time of origin with the large basalt blocks. But there is also a newer paving, a little more finely worked, which was applied in the 18th century when the road was renewed. In addition, there is a rest stop from the period of origin, milestones, historic retaining walls, another old bridge and the aforementioned fortification of St. Andrew, on the site of which stood a Roman temple, which was unceremoniously leveled and built over at the end of the 18th century.

I am always fascinated when I walk along the Via Appia. I already knew it as a child when I read about the Spartacus Uprising and its suppression. As a result, 6,000 captured slaves were crucified along the Appian Way between Rome and Capua (there was a famous school of gladiators there at the time). Incidentally, this was not mentioned on any of the tablets I have read so far, nor in Seume.

But I am also fascinated by the tremendous technical and organizational effort it took to build and maintain the road. It must have been extremely expensive. All the more reason to admire the strategic foresight of its planners. Which of our highways – planned in the twenties or more recently – do you think will serve as a walking trail 2,000 years from now with its original pavement? Via Appia, you make me believe in mankind, which, with similar effort, may well manage to cope with climate change.

The old Via Appia crosses the new one, and then continues for a bit as a dirt road, with the paving from the time of its origin appearing there from time to time as well. In this way, one crosses a small pass in the Aurunci Mountains, which have bare mountains to the right and left of the route, with heights of up to 500 meters.

Unfortunately, in the last four kilometers, one again becomes a victim of a trunk road hostile to pedestrians. There is a partial bypass suggested by Komoot, but it involves about 2 km detour. I had no desire to do that today. In Iltri I was already shortly after noon and have stocked up with bread, good cheese, nuts and dried figs.